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MOGO 2012 – macht Mut zum Machen
Eingestellt am: 18.01.2012

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Predigt zum Motorradgottesdienst im Kölner Dom

Hier die Predigt zum Motorradgottesdienst, der am 14. Oktober 2006 im Kölner Dom im Rahmen der Intermot Köln stattgefunden hat.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen. Zu Beginn dieser Predigt möchte ich Euch eine Geschichte erzählen, die schon lange erzählt wird, weil sie so schön ist. Sie geht so: 

Drei Bauarbeiter behauen einen Haufen Steine, als ein Kind dazu kommt, einen Moment schaut und dann den ersten der Arbeiter fragt: „Was tust Du da?“ „Siehst Du doch“, antwortet er, „ich behaue Steine.“ Da fragt das Kind den Zweiten: „Und was tust Du?“ Seufzend antwortet der: “Ich verdiene Geld, um für meine Familie Brot zu beschaffen. Meine Familie ist groß.“ Da fragt das Kind auch den Dritten: „Was tust Du?“ Dieser blickt hinauf in die Höhe und antwortet leise: „Ich baue einen Dom.“ 
Eine wunderbare Geschichte von den Blickrichtungen des Lebens. Was habe ich im Blick, wenn ich in meinem Leben bildlich gesprochen Steine klopfe? Wenn meine Hände auf dieser Erde arbeiten, wohin schlägt mein Herz? Wie frei kann mein Herz sein? Es geht um die Blickrichtungen unseres Lebens zwischen Erde und Himmel. Das ist das Thema dieser Predigt zwischen Himmel und Erde. Ich finde, diese kleine Geschichte von den Bauarbeitern macht deutlich, an welcher Stelle uns der richtige Blick für das Leben zwischen Himmel und Erde verloren gehen kann: Wenn nämlich der Blick von den Steinen festgehalten wird und nicht mehr bis zum Bauwerk reicht. Wenn wir Gefangene unseres Lebens werden, so dass wir den Himmel aus dem Blick verlieren. Wenn wir Angst bekommen zu träumen, wenn wir aufgeben zu hoffen, wenn am Ende zwischen Himmel und Erde nur noch das „Zwischen“ bleibt, und wir zwischen den Stühlen und zwischen den Fronten nur noch Zwischen-Lösungen finden und leben. Wer das Leben so anschaut, in dessen Seele entsteht der Nährboden für Angst und Zweifel, für das eifersüchtige Sorgen um den eigenen Besitz, für das kaninchenhafte Starren auf die nächste schlechte Nachricht. In solchen Zwischenräumen des Lebens geraten wir erst in die Klemme und dann aus den Fugen und fangen an, mit den Fingern zu zeigen auf jeden, der vorbei kommt, er habe Schuld, sie habe uns reingerissen usw. Und noch etwas entsteht in diesem Zwischendeck des Lebens: Es ist die Selbstüberschätzung: Von mir hängt alles ab: Mir helfen weder Menschen noch Gott. Alle um mich herum werden zunehmend überflüssig. Menschen heben ab, lassen Gott und andere Menschen hinter sich. Ich glaube, beides geschieht immer wieder auch in unseren Bikerkreisen, sei es, wo wir uns selber nur noch als Opfer sehen oder sei es dort, wo wir uns in unseren Gruppen voneinander abschotten, oder auch dort, wo wir uns für die eigentlich einzig legitimen Nutzer der Straßen halten. 
Wo wir auch landen zwischen Depression und Selbstüberschätzung, am Ende entstehen in diesen Zwischenräumen Einsamkeit, tiefer Zweifel und die Frage, auf die Clapton zum Glück ja eine gute Antwort gefunden hat: Wird mein Name im Himmel bekannt sein? Wenn wir an dem Punkt angelangt sind, im „Zwischen“ zwischen Himmel und Erde, in der seelischen Starre zwischen irdischem Alltag und himmlischer Aussicht, dann wird es Zeit. Zeit für Gottesdienste wie diesen. Nein, im Ernst: Zeit für neuen Halt und neuen Ausblick, wie sie unser Gott in unfassbarer und unvergleichlicher Weise für uns hat. 
Um Euch zu zeigen, wie ich das meine, möchte ich Euch in die Bibel entführen, in dieses Buch, das so wunderbar in das Leben zwischen Himmel und Erde eingebunden ist, und immer wieder Gottes Antworten auf unser Leben weiß. Ich möchte Euch erzählen von Jakob und seinem Traum von der Himmelsleiter. Die Geschichte geht - extrem zusammengefasst - so: 
Jakob, der sich das Erbe des Vaters unlauter erschlichen hat, ist auf der Flucht vor seinem Zwillingsbruder Esau, den er um die Zukunft des Lebens betrogen hat. Jakob hat allen Grund, mit schlechtem Gewissen die Füße in die Hand zu nehmen oder die Hacken in den Teer zu hauen, wie man zuweilen bei mir zuhause sagt. Und mitten in diesem berechtigten Fliehen vor der Welt begegnet er Gott. Es geschieht im Traum. Er sieht Gottes Engel auf einer Leiter „zwischen Himmel und Erde“ auf und ab gehen Und er hört Gott sagen: Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe dich zurück in dieses Land. Denn ich verlasse dich nicht, bis ich vollbringe, was ich dir versprochen habe. 
Gott baut einen Weg zwischen Himmel und Erde. Und mitten in schwierigster Lebensklemme verspricht er auf diesem Weg sein Behüten, sein heiles nach Hause bringen, gerade auch gegen alle menschliche Realität. Himmel und Erde und Hölle, Gottes Hand reicht überall hin. Soweit können wir uns gar nicht wegzweifeln, wegfürchten, weg-daneben-benehmen, dass nicht Gottes Hand uns dort erreichen würde, sich uns anbieten würde als Halt und damit als Rückkehr-Möglichkeit. Gott will uns in seinem Himmel. Und die Verlorengegangenen will er dort am dringendsten. Das kann unseren Blick auf das Leben verändern. 
Bevor ich diesen Ausflug in die Bibel unternahm, ging es darum, dass Menschen Halt verlieren, mitten im Leben. Und dass der Blick aufs Leben eng und klein wird. Und Gottes Antwort auf unsere Enge, ist der Blick in die Weite und mitten in der Weite Behüten und heiles nach Hause bringen in den Himmel. Unter Gottes Augen gehen wir zwischen Himmel und Erde niemals ganz verloren. Das hat er uns versprochen und hat es ja auch schon etliche Male gehalten und bewiesen, bis hin zu seinem eigenen Sohn, Jesus, dem er das Leben neu schenkt, nachdem dieser schon beim Tod angekommen war. Wir gehen zwischen Himmel und Erde nicht verloren, das ist Gottes Blick auf unser Leben. Und das will unseren Blick verändern. Nicht, dass wir uns nun alle miteinander fein zurücklehnen könnten nach dem Motto: Der liebe Gott wird´s schon richten. Sondern, dass wir uns eingeladen fühlen und in uns die Frage beantworten, ob wir Gottes Einladung annehmen wollen. 
Damit bin ich dicht an der Zielgraden dieser Predigt: Die Zusage ist: Fahr bis ans äußerste Meer, fahr zur Hölle, spiel selber Gott und mach dich selbst sinnlos klein - was du auch tust, niemals fällst Du ganz aus Gottes Hand. Und nun schau in Dein Leben, und entscheide, ob Du das von Gott haben willst, schau, wo Du Halt brauchst und einen Blick, der sich verändert zur Hoffnung, zum Himmel hin. Schau, wo diese Botschaft gut für Dich ist, dass Gott Dich hält und Deine Blicke verändert. Schau, wo Du aus den Klemmen Deines Lebens zwischen Erde und Himmel heraus willst. Ich schlage Euch vor Ja zu sagen zu dieser himmlischen Blickrichtung. Dann könnt Ihr neu den ganzen Bau sehen, selbst wenn Ihr natürlich weiter Eure persönlichen Steine behauen müsst. Eure Gefühle, Eure Solidarität, Eure Sehnsucht nach Freiheit werden aus einer neuen Kraft schöpfen. Die grüßende Bikerhand wird Gottes Gruß in sich tragen. Die Grenzen Eurer Liebe, die Grenzen Eures Fahrens, die Grenzen Euren Handelns werden von Gottes Kraft und Liebe erweitert werden. Und vor allem die Grenzen Eures Tragens, die Grenzen Eures Friedens, Eure Grenzen, das Leben gut zu gestalten, werden von Gottes Behüten und himmlischer Aussicht die Kraft zur Verwirklichung bekommen. Euer Leben wird schlicht gesagt mitten in aller Realität wärmer, heller und weiter sein. Ihr werdet mitten auf unserem Platz auf dieser Erde wissen, dass Ihr zum Himmel gehört. 
Ich erzähl die Geschichte vom Anfang noch einmal neu: 
Da stehen viele hundert Biker mit ihren Maschinen auf einem Platz mitten in der Stadt. Ein Kind kommt und fragt neugierig den ersten Besten: Was machst Du hier. Er antwortet und sagt: Das siehst Du doch, ich fahre Motorrad. Da fragt es den Zweiten: Was machst Du hier? Der antwortet und sagt: Ich bin mit vielen anderen gemeinsam unterwegs. Biker treten gerne im Rudel auf. Da fragt es den dritten: Und du, was machst Du hier? Und da blickt der nach oben, noch über die Turmspitzen dieser wunderbaren Kirche hinaus und sagt: Zwischen Himmel und Erde bin ich mit meinem Gott auf dem Weg. 
Amen.