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Wer diese Predigt irgendwo verwenden möchte, ist herzlich gebeten, es per Mail mitzuteilen, mehr nicht, aber das bitte auf jeden Fall unter
erich.faehling@mogo.de
Ansonsten mögen diese Gedanken viele Menschen erreichen und etwas Gutes bewirken.
Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott, unserem Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.
Ich steig heute mal mit ein paar Typen ein. Es sind Typen, die ich mir ausgedacht habe, und doch sind sie mir so schon oft begegnet – und Euch vielleicht auch.
Ich beginne mit einem, der hat für alles im Leben eine Erklärung, oder wie Pippi Langstrumpf gesagt: Man muss sich viel anhören, bevor einem das Ohr abfällt. Aber er ist nicht nur ne Labertasche, vieles ist auch richtig von dem, was er sagt. Und doch fehlt etwas – irgendwie immer. Und deshalb bleibt letztlich das, was er sagt, leer und hohl.
Es klingt ein bisschen, als rede er Blech. Paulus schreibt dazu: Wir haben es gerade noch als Lesung gehört:
Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.
Typ 2 kann nicht so gut die Worte wählen, aber dafür ist er als Christ sehr vorzeigbar. Man hört immer deutlich raus, wie gut er mit Gott auf Du und Du steht. Und wenn er angeblich im Auftrag Gottes spricht, redet er irgendwie immer schlecht über die Menschen. Da fehlt ihm was Entscheidendes. Über ihn schreibt Paulus:
Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, so dass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.
Und schließlich ist da Typ 3; endlich doch so ein richtiger Vorzeigetyp. Der hat schon mehr gespendet als andere im Monat verdienen. Es ist fast, als würde er für andere sein letztes Hemd hergeben. Nur eins ist komisch: Keiner will es so richtig gerne von ihm haben. Weil, wer es nimmt, wird abhängig, steht in Schuld. So toll der auch handelt, man vermisst etwas an ihm. Paulus schreibt über ihn:
Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen, und hätte die Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze.
Drei Typen, der mit den vielen Worten, der mit dem vorzeigbaren Glauben und der überaus Großzügige. Aber immer fehlt etwas Wichtiges zum Ganzen. Irgendwie sind sie trotz allem Tollen leblos. So schreibt jedenfalls Paulus in seinem berühmten Brief an die Menschen in der Hafenstadt Korinth.
Und dann noch einmal sein Schlusssatz, das Finale:
Nun also bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.
Das ist es! Unverzichtbar - die Liebe ist die Größte!
Hätte ich die Liebe nicht, wäre alles andere vergeblich. Alles, was Menschen so gerne vorzeigen, lebt nicht, wenn die Liebe fehlt. Selbst das Beste ist ohne Liebe nichts wert. Liebe ist unverzichtbar.
Das sind radikale Thesen. Sagt das ´mal den Menschen, die so gerne was vorzeigen, die nach Lob streben, die an ihrer Moral andere messen wollen. Ihr werdet erleben, dass Sie Euch auslachen - oder ins Gesicht springen.
Liebe, pa! Du Weichspüler. Mit dem lieben Gott sind wir noch nie ans Ziel gekommen. In dieser Welt zählen Fakten, und ich liefere davon ja sogar noch die guten. Komm mir ja nicht mit Liebe, so´n romantischer Kram. Ich tu wirklich genug Gutes. Das muss ich mir nicht sagen lassen.
Okay....
Paulus jedenfalls sieht das anders. Du kannst Dein ganzes Gutmenschentum, Deine ganze Vorzeigbarkeit, all das Leuchten deiner wunderbaren Fassade auch gleich wieder vergessen, weil Du nämlich ohne Liebe immer noch im Dunkeln stehst.
Ohne die Liebe, bleibt das schönste Leben kalt, leer; wie eine Kopie vom Original.
Und beim Blick auf die Welt finde ich das bestätigt. Liebe ist elementare Mangelware in unserer Welt. Und zwar nicht Kuschelliebe – die vielleicht auch manchmal.
Nein, Liebe als Grundhaltung, liebe als Speise der Seele, Liebe als das, was Menschen warm macht, echt, lebendig.
Menschen schreien nach dieser Liebe.
Kinder schreien nach dieser Liebe, sehnen sich nach Eltern, die ihnen treu sind, nach Menschen, die ihnen Zeit schenken und Grenzen, liebevolle Jas und Neins.
Paare schreien nach dieser Liebe, sonst würde doch bei der Scheidungsrate keiner mehr so verrückt sein, sich zu trauen.
Menschen aus allen Bereichen sehnen sich nach dieser Liebe und probieren zwischen Zen und Fengtsui, Tarot und Horoskop, Partnerbörse und Flirt-Chat alles aus, was der Markt zu bieten hat.
Ich glaube, sogar ganze Völker sehnen sich nach Liebe, nach liebevoller Anerkennung ihrer Existenzberechtigung.
Aber was geschieht mit diesen Schreien nach Liebe?
Kinder z.B. werden zugestopft, mit Konsum, mit Ersatzstoffen, mit laut-bunt-schreienden TV-Figuren – und wir wundern uns über zuckenden Fälle für die Ergotherapie und Retalin.
Familien, die nach Liebe schreien, werden alleingelassen in ihren Trennungskrisen, mit den 10 besten Beziehungs-Tips vollgestopft, aber nicht mit Liebe versorgt.
Menschen, die ihre Arbeit behalten wollen, ihren liebevollen Wert in der Gesellschaft, werden in Arbeitslosen- und Rentenkassen ausgemustert, damit der Ertrag der Arbeit nicht mit so vielen geteilt werden muss.
Und Völker schließlich, die nach Liebe schreien, werden auf verschiedenste Arten zum Schweigen gebracht, mit Geld, mit Drohung und notfalls durch Kriege.
Menschen sagen immer wieder, die Welt sei ungerecht. Nein, sie ist noch lange davor lieblos. Wir leben in einer nach Liebe schreienden Welt und stillen diese Sehnsucht nicht.
Und da hinein, in diese ungestillte Sehnsucht hören wir heute von diesem Gott, der in seiner Liebe eben die ganz andere Antwort gibt.
Um nicht weniger geht es im Glauben. Um das Hören von Gottes Antwort auf den schreienden Hunger der Seele.
Immer noch hält sich hartnäckig das Gerücht, der Glaube wolle uns zu besseren Menschen zu machen. Und es gibt zu viele Menschen, die den Glauben für eine Vorzeigeware im Schaufenster der Seele halten.
Glaube ist aber in Wirklichkeit das Ja zur uneingeschränkten Liebe Gottes, das Ja zum Angebot des Sattwerdens an der Seele. Glaube kann man auch übersetzen mit Fenster aufmachen; Fenster der Seele öffnen für einen nährenden Gott, der längst davor steht.
Glaube lässt Liebe eintreten, macht offen für die Liebe Gottes.
Und Ihr Lieben, das Wort Liebe klingt immer so einfach, manchmal fast billig. Ach, mit Liebe will er uns abspeisen, fürchten manche Menschen, wenn sie von Gott hören.
Aber Liebe ist keineswegs billig, sondern das Wertvollste der Welt, die größte Macht dieser Erde.
Und Liebe ist von daher ein Wort, dass ich übersetzen möchte: Liebe heißt Respekt, und zwar von der unverlierbaren Sorte. Liebe heißt Hoffnung, die sich nicht löschen lässt. Liebe ist Zukunft, die bis in den Himmel reicht. Liebe ist vor allem aber Erlösung, Loslösung von allem, was uns im Leben nach unten zieht, Not, Schuld, Zweifel, Verzweiflung, Vorwürfe, die Angst vor Wertlosigkeit, die Angst vor Gewalt und Tod.
Liebe will die Unverletzlichkeit der Seele, die Unantastbarkeit des Menschen.
An der Umsetzung dieser Liebe hapert es in unserer Welt und am Vertrauen in sie. Letztlich ist das übrigens auch ein Bikerproblem. Wenn wir mal ganz genau hinschauen, sind manche Verchromungen, manche Zusatz-PS, Farbvarianten, Ausstattungshighlights letztlich nichts anderes als Ersatz für Streicheleinheiten der Seele.
Wir Menschen sind sehr, sehr sehnsüchtig nach Liebe.
Gott hat die Antwort auf diese Sehnsucht, eine ganz andere Antwort als die Welt sie gibt. Er stopft nicht voll, er löst heraus. Er bringt nicht zum Schweigen, sondern lässt den Schrei nach Liebe hörbar werden. Und er regelt das Problem nicht mal eben kurz, damit er seine Ruhe hat, sondern er geht dabei den äußert schmerzhaften und langen Weg durch das Sterben seines eigenen Sohnes hindurch bis zur Auferstehung und dem Anbrechen des Himmels für alle Menschen.
Deshalb kann die Liebe Gottes die Welt verändern: Weil sie den Tod, alles, was lieb-los das Leben behindert, bereits hinter sich gelassen hat.
Ich hatte begonnen bei den Typen, die scheinbar perfekt sind und doch dadurch, dass ihnen die Liebe fehlt, irgendwie leer bleiben.
So soll es uns nicht gehen. Gottes Liebe will uns füllen, leben lassen und erlösen bis zum Himmel. Nicht weniger ist unser Ziel. Dafür sind heute hier zusammen. Dafür ist Gottes Liebe unverzichtbar.
Amen.
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