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Predigt

Predigt am 2.7.2006 gehalten von Erich Faehling, Pastor für den MOGO Hamburg

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Gott erfahren, darum geht es heute, das ist das Motto dieses Tages und auch dieser Predigt.
Die Bischöfin, Frau Jepsen hat dieses Thema im Grußwort zu den MOGONews ein seltsames Wortspiel genannt. Und sie hat Recht.
Das Motto ist vielschichtig. Es fragt nach Erfahrungen, die Menschen mit Gott machen. Es macht sich aber auch Gedanken, wie man wohl etwas von Gott erfahren kann. Und schließlich ist da auch noch ein Stück Bikeralltag drin, denn man kann Gott ganz real er-fahren, nämlich auf zwei Rädern, seine wunderbare Natur, seine Schutzengel.

Bevor ich auf diese verschiedenen Ebenen eingehe, brauche ich ein Stück Bibel, mit dem ich erreichen möchte, dass Ihr etwas von Gott erfahrt.
Hört selbst. Psalm 139:
Gott, du erforschest mich und kennest mich.
3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. 5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.
8 Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, 10 so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.
11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein -,  12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag.

Spürt Ihr, welche Gotteserfahrungen uns hier nahekommen wollen?
Gott kennt uns, Gott umgibt uns, Gott reicht über die Grenzen unseres Lebens hinaus, einerseits bis zur Morgenröte und andererseits bis in das Reich der Finsternis die Hand. Und - und das ist schon fast das Wichtigste: Gott verändert unser Leben.
Bei ihm gehen wir selbst dann nicht verloren, wenn wir ansonsten schon unerreichbar weit weg sind, und bei ihm kann noch Finsternis wie Licht sein.

Ich hab eine Geschichte mitgebracht, die dieses Licht in der Finsternis verdeutlicht.
Ein Kind fällt beim Spielen in einen tiefen Schacht. Der Schacht ist 60 Zentimeter breit. Das Kind scheint verloren. Alle wollen helfen, aber keiner weiß wie. Es herrscht Panik.
Auf einmal aber werden alle ganz still. Die Eltern des Kindes sind gekommen .
Beide bleiben ganz ruhig. Der Vater beugt sich über den Schacht, er schaut nach seinem Kind. Und genau in diesem Moment schreit das Kind herzzerreißend.
Der Vater hat beim sich Beugen über den Schacht das letzte Bisschen Licht verdunkelt. Die Angst des Kindes wird grenzenlos.
Aber dann  sagt der Vater zu dem Kind einen kaum fassbaren Satz. Er sagt: Hab keine Angst. Wenn es dunkel wird, bin ich es.
Da wird das Kind ganz ruhig. Und dann lässt der Vater ein Seil herunter, erklärt dem Kind, was es tun soll. Und nach einer kurzen Weile ist das Kind gerettet. Und es hat keine Angst mehr gehabt, denn es hat an die Worte des Vaters gedacht:
Wenn es dunkel wird, bin ich es.


Wenn es dunkel wird bin ich es.  Und in der Bibel: Die Nacht leuchtet wie der Tag.

Gott zu erfahren bedeutet, zu erleben, wie einer dem Leben widerspricht und zwar am stärksten dann, wenn das Leben am schwersten ist. Da ist einer, der rettet, und zwar aus Situationen, die ansonsten panisch und hilflos machen.
Gott zu erfahren verändert das Leben.

Ein letztes Stück Geschichte noch, und nun wieder aus der Bibel: Ein Stück der Geschichte Jesu.
Ihr erinnert Euch, dieser Mensch, dieser Sohn Gottes, zu nichts anderem geboren, als den Menschen die Liebe Gottes zu zeigen. Er wird gekreuzigt. Er muss sterben, weil den Menschen die Liebe Gottes zu bedrohlich erscheint. Sie verändert das bekannte Leben einfach zu stark.
Jesus muss sterben. Und nun geschieht das zutiefst Menschliche: Selbst der Sohn Gottes hat Angst.
Als er am Kreuz hängt, und die Welt um ihn herum dunkel wird, finster fast wie die Nacht, da schreit dieses Kind nach seinem Vater:

Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?

Und es passiert dasselbe wie im Psalm und wie in der Geschichte vom Kind im Loch: Es kommt einer, der sagt: Wenn es dunkel wird, bin ich es.
Und für den sterbenden Jesus wird genau sein Kreuz der Punkt, an dem Leben neu beginnt.

Und damit ist Gottes letzte Grenze beim Retten der Menschen beseitigt. Er rettet sogar vom Tod.

Das ist die zentrale Erfahrung mit Gott: Er rettet. Er rettet aus den dunklen Momenten des Lebens, er rettet, wo andere panisch werden. Er rettet selbst noch vom Tod.

Das ist schwer zu glauben, ich weiß. Und es gehört Mut dazu, es zu glauben, denn es stellt alles, was wir sonst so an Maßstäben und an Handlungsmöglichkeiten im Leben haben, an zweite Stelle.
Gott so zu erfahren und darauf auch noch zu vertrauen, verändert alle Wertmaßstäbe unseres Lebens.
Und es verlangt von uns vor allem und zuerst eines, und das ist vielleicht das Schwerste überhaupt:
Wir müssen loslassen.
Wir müssen loslassen, zu meinen, das Leben gehörte uns. Wir müssen loslassen, dass das Leben diese kurze Zeitspanne zwischen Geburt und Tod sei. Wir müssen loslassen die Meinung, wir könnten Leben bemessen und bestimmen.
Wir müssen ganz viel Macht loslassen. Macht, die wir übrigens in Wirklichkeit gar nicht haben, das merken wir an so Kleinigkeiten wie Schnupfen, Liebeskummer und der mangelnden Fähigkeit, dauerhaft friedlich und ehrlich zu leben.
Nicht einmal das gelingt uns, auch den ganz Bemühten nicht.

Wir müssen loslassen, oder um es in einem Bild zu sagen: Wir müssen wieder anfangen, öfter mit unseren Seelen zu Fuß zu gehen.
Ich weiß, das ist hartes Brot, gerade für Biker. Mein Maserati fährt 210 und meine Hayabusa sogar über 300. Und es gibt für Biker kaum einen spöttischeren Satz als diesen, „wer sein Mopped liebt, der schiebt“.
Wozu hab ich denn zwei Räder, wenn der Pastor mitten im MOGO fordert, ich solle absteigen und zu Fuß gehen?
Aber genau das, Ihr Lieben, tue ich. Dazu fordere ich Euch auf.
Zumindest vorübergehend.
Absteigen, aussteigen, loslassen, zu Fuß gehen, mit der Seele.
Denn Eure Seele weiß, dass Gott das tun kann, was er uns sagen lässt. Unsere Seele kommt nämlich von Gott und sie geht auch wieder zu ihm.
Und weil das so ist, ist sie auch der Ort tief in uns, an dem wir durstig und hungrig sind nach dieser Rettung, von der ich erzählt hab, sehnsüchtig nach dem Licht, das gerade im Dunkel erscheint, erwartungsvoll nach dem Leben, das viel weiter geht, als wir denken können.

Wagt es, geht mit Eurer Seele diesen Weg. Geht ihn einmal ganz grundsätzlich. Es wird Euer Leben in großen Dingen, aber auch in 1000 Kleinigkeiten verändern.

Zu den Kleinigkeiten denke ich an Menschen, die mir im Umfeld des MOGO begegnet sind und von denen ich weiß, dass sie Gott in ihrem Alltag mit sich führen. Er verändert ihre Sprache, er mischt sich ein in ihre Fahrweise (bis dahin, dass er durch geschlossene Schiebedächer gucken kann). 
Gott zu erfahren, bedeutet für Menschen, auch noch einmal ganz neu Schutzengel ins Leben mit einzubeziehen. Gott zu erfahren, bedeutet, andere Menschen neu zu sehen, und übrigens auch sich selbst.
Gott zu erfahren rettet zuweilen auch aus den ganz, ganz tiefen Krisen des Lebens, bis dahin, dass ein junger Mensch nach dem Unfall, der ihn einen Arm gekostet hat, den Mut findet, sein Leben neu zu sortieren und es wieder aus ganzem Herzen Leben zu nennen.
Gott zu erfahren ist schließlich in vielen Situationen der erste kleine Schritt, dem unzählige weitere folgen müssen, bevor man ein Lebenstal durchwandert hat und im Licht ganz wieder angekommen ist.

Wenn es dunkel wird, bin ich es.
Gott rettet. Diese Rettung verändert unser Leben, ein für allemal. Wessen Seele diese Erkenntnis beim zu Fuß gehen gefunden hat, der und die kann dann auch wieder aufsteigen. Und dann mit der Erfahrung von Gott das Leben neu erfahren.

Und dann wird unser Leben anders, gut anders. Dann sind wir noch lange nicht fromm. Auch dann machen wir niemals alles richtig. Und wir werden trotzdem immer wieder Angst haben.

Aber es wird nie wieder ganz dunkel in unserem Leben. Und wir werden immer zusammen mit diesem Gott unterwegs sein, dem der grenzenlose Himmel gehört, und der ihn uns öffnen will.

Und dann werden wir mitten in unserem Leben Gott erfahren. Ich lade Euch von Herzen dazu ein.

Amen.