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Predigt zum Hamburger Motorradgottesdienst, 8. Juli 2007
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen. Ich habe Euch heute eine meiner Lieblingsgeschichten mitgebracht. Es ist ein russisches Märchen und ich habe es bei Willi Hoffsümmer in seinen genialen Geschichtensammlungen gefunden. Aber hört selbst. Ein Dieb kommt zum Himmelreich und pocht an die Tür. „Macht auf!" Der Apostel Petrus, der ja bekanntlich die Schlüssel zum Himmelreich besitzt, hört das Pochen und geht zur Tür. „Wer ist denn da?" „Ich!" „Wer bist du?" „Ein Dieb. Lass mich ins Himmelreich!" „Nein, hier ist kein Platz für Diebe!" „Aha, und wer bist du, dass du mich nicht einlassen willst?" „Ich bin der Apostel Petrus." „Ha, Dich kenn' ich! Du bist der, der Christus verleugnet hat, noch bevor der Hahn dreimal krähte. Ich weiß alles, Bruder!" Da macht Petrus kehrt und sucht Paulus. „Geh, Paulus, sprich du mit ihm!" Paulus geht zur Tür. „Wer ist da?" „Ich, der Dieb. Lass mich ins Himmelreich!" „Hier ist kein Platz für Diebe!" „Und wer bist du jetzt, dass du mich nicht einlassen willst?" „Ich bin der Apostel Paulus." „Ach so, der Paulus! Ich weiß, du bist der, der die ersten Christen aus Jerusalem vertrieb. Und jetzt bist du im Paradies?" Da kehrt Paulus um und erzählt Petrus, was der Dieb gesagt hat. „Nun", sagt Petrus, „dann werden wir den Evangelisten Lukas schicken. Der hat Christus keinmal verleugnet, und er hat auch keine Christen vertrieben; soll er doch mit dem Dieb reden." Lukas geht zur Tür. „Wer ist da?" „Ich, der Dieb." „Was willst Du?" „Lass mich ins Himmelreich!" „Da kannst du lange bitten, Dieb. Für Sünder wie dich ist hier kein Platz!" „Und wer bist du, dass du mich nicht einlassen willst?" „Ich bin der Evangelist Lukas.„ „Aha, du bist also ein Evangelist. Und weshalb betrügst Du die Menschen? Du hast im Evangelium geschrieben: „Bittet, so wird euch gegeben, klopft an, so wird euch aufgetan. Jetzt stehe ich schon seit zwei Stunden hier und klopfe an, aber niemand tut mir auf. Wenn du mich nicht auf der Stelle ins Himmelreich hinein lässt, dann kehre ich auf die Erde zurück und sage den Menschen, dass Du im Evangelium die Unwahrheit geschrieben hast!" Da erschrickt Lukas und lässt den Dieb ins Himmelreich. Ja, das stimmt, irgendwie ist diese Geschichte zum Schmunzeln. Und vielleicht rührt sie ja auch ein bisschen an den Dieb, an den Himmels-Tür-Klopfer in uns allen, der ja weiß, wie sein Leben gelaufen ist, der tief drinnen unsicher ist und eine ganz tiefe und große Frage hat. Und die Frage heißt: Gilt der Himmel auch mir? Werde ich dort auch einmal sein dürfen? Auf welche Seite der eben gehörten Geschichte gehöre ich eigentlich? Werde ich drinnen sein oder außen vor? Die Angst heißt dann: Die drinnen sind so verdammt sicher, die angeblich Frommen. Und mich lassen sie draußen verschimmeln, während ich klopfe und klopfe... Inga, Refrain, Knock, knock, knockin, 1 Refrain Hört Ihr das, diese Sehnsucht, diesen Hunger nach Öffnung? Himmel, öffne dich! Angeblich ist der Himmel offen, aber auch für mich? Was für eine Not: Das Gefühl, draußen zu sein. Das Bild von einem wunderbaren Ort, der für mich hinter verschlossenen Türen liegt. Das ist schon im Leben schwer genug auszuhalten. Wie erst, wenn es sich um den Himmel handelt? Der Himmel ist zu. Offen ist er nur für die mit der besonderen Zugangsberechtigung; Kettenschloss der Moral; Keycode der in den Glauben Eingeweihten, Nummernkombination, deren Reihenfolge nur die ganz Frommen begreifen. Und draußen die Menschen, die einfach nur zu Gott wollen, einfach nur sicher sein, sich geliebt fühlen ohne Vorbedingung, Sicherheit für die Seele in unsicherer Zeit und verwirrter Welt. Sehnsucht, geborgen zu sein, wie in den Armen eines Vaters oder einer Mutter Inga (Mama, take this batch from me...) Mama, tu die schwere Last weg von mir, Mutter und Vater, Gott, der Du beides für mich sein kannst, ich lebe an den Grenzen des Lebens und komm nicht durch die Tür der Erlösung. Wem es so geht, der klopft wie an schalldichter Tür, der kaut auf hartem Brot. Wem das passiert, der bleibt unter Umständen mit hungriger Seele sitzen. Hunger nach Öffnung, nach Gerechtigkeit und als Antwort nur verschlossene Traurigkeit, Hilflosigkeit, Verzweiflung und schließlich auch Wut. Wem das passiert, der schaltet vielleicht auch auf stur, von knockin on heavens door auf heaven can wait. Der Himmel kann warten - so ein Ort der Enttäuschung. Da sind dann meterdicke Türen zwischen Leben und Himmel, zwischen Mensch und Gott, zwischen Alltag und Glaube. Und wenn es ganz schlimm kommt, wird nicht einmal mehr angeklopft, nicht an die Himmelstür, aber auch nicht an die Nachbarstür, an die Herzenstür, an die Friedenstür, an die Hoffnungstür, an die Kirchentür sowieso nicht mehr. Und dann wird es kalt im Leben, und gleißendes Zeitgeist-Licht ersetzt jeden Hoffnungsschimmer. Dann leben wir getrennt von Gott und seinem Himmel. Dann ist draußen ein Ort, an dem Menschen meinen, bleiben zu müssen. Dann wirkt die Bibel wie ein Buch für fromme Spinner, dann wirkt der Glaube wie eine fromme Lüge. „Warum betrügst Du die Menschen, Bruder?", so hieß es in der Geschichte. Inga (Papa, put he guns into the ground) ... die schwarze Wolke des Zweifels, das Gefühl, belogen zu werden... Aber der Glaube ist keine fromme Lüge. Sondern der Glaube lohnt sich, und die Hoffnung hat Recht. Und an die Himmelstür zu klopfen, öffnet diese wunderbare Tür. Das ist wahr, und Ihr dürft darauf vertrauen. Und wenn Ihr dieses Vertrauen wagt - und es ist ein Wagnis, wird sich Euer Leben schon jetzt verändern: Die offene Himmelstür, an die wir glauben, öffnet schon jetzt unendlich viele Türen, Situationen und Herzen auf dieser Welt. Schaut auf das Titelbild der MOGO-News!
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