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MOGO Husum 2012 – von der Sonne überrascht
Eingestellt am: 10.04.2012

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Predigt 2011

MOGO-Pastor Erich Faehling

Predigt zum Hamburger Motorradgottesdienst, 26.6.2011

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Ich beginne die Predigt mit einem meiner Lieblingswitze zum Thema „Glauben“. Der geht so:
Oma ruft ihren Enkel an und beschwert sich: Karl-Otto, ich hab schon wieder nicht im Lotto gewonnen. Karl-Otto etwas entnervt: Oma, nun bist Du schon 91 und hast ja auch noch nie im Lotto gespielt. Oma daraufhin ungerührt: Karl- Otto, und sag ich Dir nicht schon all die Jahre: beim lieben Gott ist kein Ding unmöglich.

Oma bezieht sich mit diesem Satz auf eine Geschichte, die im Neuen Testament erzählt wird. Der Evangelist Lukas hat sie aufgeschrieben und sie geht so:

18 Ein junger, reicher Mann fragt einmal Jesus:
»Du bist ein guter Lehrer, sag mir, was ich tun muss, um das ewige Leben zu bekommen?« 19 Jesus antwortet: »Gottes (Vers 20) Gebote kennst du doch: Nicht die Ehe brechen, nicht morden, nicht stehlen, nichts Unwahres über deinen Mitmenschen sagen; Vater und Mutter ehren! « 21 Sagt der junge Mann: »Diese Gebote habe ich alle von Jugend an befolgt« 22 Sagt Jesus zu ihm: »Eines fehlt dir noch: Verkauf alles, was du hast, und verteil das Geld an die Armen, so wirst du bei Gott einen unverlierbaren Besitz haben. Und dann komm und folge mir!« 23 Da wird der Mann sehr traurig, denn er ist überaus reich. 24 Und Jesus sieht ihn so dastehen und sagt zu den Jüngern: »Wie schwer haben es doch die Besitzenden, in die neue Welt Gottes zu kommen! 25 Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel.« 26 Als die anderen Menschen das hören, fragen sie Jesus:
»Wer kann dann überhaupt gerettet werden?« 27 Da sagt Jesus: »Was für die Menschen unmöglich ist, das ist für Gott möglich.«

Beim lieben Gott ist kein Ding unmöglich.

Das ist so besonders an Gott: Menschen scheitern an ihren Hürden. Aber Gott weiß dort, wo wir scheitern, einen Weg, der bis zum Himmel führt.

Eine Grenzgeschichte. Aber nicht, um an der Grenze auszusortieren, sondern um an der Grenze Mut zu machen. Mut, sich zu entscheiden. Und Mut, selbst noch an so einer Grenze Gott zu vertrauen.

Gott geht es in dieser Geschichte nicht um Moral. Natürlich ist es schön, wenn Reiche ihren Besitz in die gute Sache der Kirche und der Armen stellen. Danke allen Spendern, allen Sponsoren, die das bei uns und an anderen Stellen tun.
Aber in dieser Geschichte geht es nicht um Spenden- Aquise; kein moralischer Anspruch. Es geht um die weitere Dimension des Lebens.

Oben, die Dimension des Himmels wird dem jungen Mann hier angeboten. Und er hat Sehnsucht danach. Und er merkt, diese Sehnsucht wird nicht so einfach erfüllbar sein.

Denn – vielleicht ist das schwer zu hören – in Bezug auf den Himmel geht es wie ums Erwachsenwerden in einer weiteren Dimension. Spiel nicht mehr rum mit Deinem Leben, scheint Jesus zu sagen. Sondern übernimm Verantwortung über Dich selbst hinaus. Handle nicht mehr wie Kind, dass nur älter und reich geworden ist; wie ein Kind, das sein Taschengeld erst festhält und dann fest in den Markt drückt, frei nach dem Motto „es brannte mir in der Hosentasche“.

Du sollst nicht mehr leben aus dem, was du hast. Sondern lebe als das, was du bist.
Du bist ein nach Himmel sehnsüchtiger Mensch, dem ein Weg eröffnet wird. Dieser Weg zur himmlischen Dimension des Lebens gewinnt Freiheit durch Loslassen, wird himmlisch leicht, wo Ballast abgeworfen wird. Und noch mal zurück zum Ende des Textes: Vertraue auf Gottes Möglichkeiten, die unsere Unmöglichkeiten übersteigen: Bei Gott sind alle Dinge möglich.

Diesen Satz würde ich gerne im Herzen behalten; als Freiheit, wenn auch nicht als Freifahrtschein.

Freiheit. Hier setzt das Motto des diesjährigen MOGO an: Follow me. Folge mir in die Freiheit. Der junge Mann wollte nachfolgen. Er sehnt sich nach der Freiheit des Himmels. Jesus lädt ihn dazu ein: Follow me. Und er macht ihm klar, es ist nicht einfach nur mal ein Spaziergang nach dem Motto, das hätte ich auch noch gern. Sondern es ist eine Entscheidung, die das Leben verändert.
Veränderung zum Guten.
Sie passiert hier nicht, noch nicht. Denn der junge Mann gibt früh auf. Was mag er alles besessen haben? Ein schönes Haus, Vermögen, einen chromglänzenden, pferdestarken Streitwagen? Was es auch war: Nicht nur er hat es besessen. Es hat auch ihn besessen, besetzt. Er ist nicht frei. Diese Entscheidung ist ihm zu einschneidend. Nachfolge als Hobby wäre für ihn ok. gewesen. Aber das, was Jesus anbietet, nämlich dem Leben eine neue Dimension zu geben, das geht ihm zu weit. So weit ist er (noch) nicht. Vielleicht kommt er nie dorthin.

Und die Jünger, die Menschen, die drum herum stehen, die die Begegnung zwischen Jesus und dem Reichen voller Spannung verfolgt haben, sind ein bisschen enttäuscht, aber ein bisschen auch entsetzt. Ihnen wird schlagartig noch einmal selbst klar, auf welche Dimension sie sich eingelassen haben. Jesus meint es ernst, kein Spielkram. Und sie fragen sich sicher selbst – und wie stehe ich dazu?

Follow me, Nachfolge; ein heißes Thema in Bezug auf das Leben, auf die Seele. Wem folge ich, wessen Wahrheit vertraue ich, welches Lebenskonzept schlägt mich in seinen Bann?

Gucken wir mal auf uns als Motorradfahrer, z.B. im Konvoi. Nicht gleich die 30.000 heute, sondern die kleine Reisegruppe durch die Alpen. Wer ist der Guide, wem folge ich? Und wenn die 7 vor mir den Lkw überholt haben, bleibe ich an der Gruppe dran? Auch wenn es eng wird? Nicht wenige sind dabei schon tödlich verunglückt. Follow me – in den Tod.
Oder politische Überzeugungen, besonders an den Rändern des Spektrums: Wem folge ich, welcher Weltanschauung, wann sind meine Tabus erreicht? Oder so ein harmloses Thema, wie alltäglicher Konsum. Follow me in den Supermarkt, in die Geiz ist geil Ecke.
Kann man noch heil leben, wenn man sich und andere so schwer verletzen lässt?

Konvoi mit Jesus ist anders. Follow me, sagt Jesus zu dem reichen Jüngling und hat dabei ja gar nicht sein Geld im Blick, sondern seine Seele. Der Mann will leben, und Jesus lädt ihn zum Leben ein. Das Geld ist nur Symbol für das, was den Reichen vom Leben trennt. Vielleicht könnte er reich bleiben, wenn er nur die neue Dimension annehmen würde. Vielleicht wäre ihm sein Geld aber auf einmal auch egal. Jesus lädt ihn ein. Aber er bleibt blind auf seiner alten Spur.
Es geht Jesus nicht ums Geld. Es geht ihm um die Entscheidung. Es geht ihm um einen kleinen Schalter der Seele, der so schwer umzulegen ist.
Willst du leben, fragt er. Nicht aus dem, was du hast, sondern aus dem, was Gott in dir sieht. Du sollst nicht fromm werden, sondern frei. „Frei“ wie „frei aufgehängt“ zwischen Himmel und Erde, am Himmelsfaden der Liebe Gottes. Und alles andere, ob reich oder arm, käme erst danach.

Aber er traut sich nicht. Follow me ist ihm zu schwer. Er hätte sich auf jedes Motorrad dieser Welt gesetzt, wenn Jesus das verlangt hätte, er hätte statt 14 eben 16 Stunden am Tag gearbeitet. Er wäre Spender größter Summen geworden. Aber Vertrauen in die andere Dimension, das macht ihm Angst. Dieses Schweben auf dem luftleichten, himmlischen Versprechen der Liebe Gottes ist ihm zu absturzgefährdet.

Ich kann ihn übrigens verstehen. Auch in meinem Leben ist das Thema Vertrauen sehr anspruchsvoll.
Aber ich hab Sehnsucht danach, das kann ich Euch sagen.
Und ich glaube, Jesus in unserer Geschichte kennt diese Sehnsucht. Deshalb tröstet er die erschrockenen Jünger mit diesem „bei Gott sind alle Dinge möglich“. Das ist kein Freifahrt-Schein. Aber es ist der Hinweis darauf, dass wir eine Chance behalten, auch wenn wir zunächst noch an unseren Grenzen stecken bleiben. Gott ist nicht Julius Cäsar, der wie in einem Hollywood-Film im Kolosseum steht und den Daumen hebt oder senkt. Gott ist ein Liebender der Welt, der sein Follow me möglicherweise mit derselben Sehnsucht ausspricht, wie wir den Himmel gerne als Ziel fürs Leben hätten.
Und falls das stimmt, was ich sage, dass nämlich nicht nur wir, sondern auch Gott sehnsüchtig wäre, dann liegt darin für mich eine wunderbare Hoffnung darauf, dass wir irgendwie zusammenkommen können. Dass das Follow me am Ende doch klappen wird, dass die himmlische Dimension erreichbar ist, auch wenn wir uns eine Zeitlang mit dem Vertrauen schwer tun.

Follow me – Gott lädt uns ein. Es ist nicht egal, wie wir uns entscheiden. Denn es geht um die Sehnsucht nach Leben und Himmel.

Fühlt Euch von einem sehnsüchtigen Gott eingeladen, Eure Sehnsucht nach Leben himmlisch stillen zu lassen.
Amen.