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Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.
Ich will Euch zu Beginn der Predigt eine wahre Geschichte erzählen:.
Eine junge Frau, lebenslustig, sportlich, macht Urlaub mit ihrem Freund. Lange gespart, endlich los: Insel Kos, Griechenland, Meer, laue Sommerluft, weiße Fischerhütten, die Freiheit, die ich meine. Und was passt besser zu diesen Tagen, als das Motorrad. Und so fahren sie, verliebt, gut drauf..
Bis zu der Kurve mit dem Rollsplitt, harmlos, nicht mal schnell, ein Ausrutscher. Ein paar Schrammen, aufstehen, Zähne zusammenbeißen, weiter fahren, Glück gehabt..
Aber, was ist das? Warum kann ich meine Zehen nicht bewegen, warum spüre ich meine Beine nicht. Panik steigt auf, Schmerzen werden unwichtig. Wo ist der nächste Rettungswagen, Hilfe, wir brauchen Hilfe. Der Rettungswagen kommt. Es ist ein Kleinbus, aus dem in Windeseile die Sitze herausgerissen werden, Reinschleifen des verletzten Körpers, nur schnell, ohne viel Achtsamkeit, die Angst um die stummen Beine wächst.
Dann über holprige Landstrassen in ein überfordertes Krankenhaus. Und als am nächsten Tag der Jet nach Deutschland fliegt, ist die Querschnittslähmung nicht mehr aufzuhalten. Sie bleibt inkomplett, die Beine sind noch ein Stück beweglich, ein Glück, aber dennoch beginnt ein Leben im Rollstuhl und an Krücken.
Ich glaub ich träum. An dieser Stelle klingt der Satz nach Alptraum, Kirsten, nach Verzweiflung, nach dem Wunsch, aufzuwachen, und alles möge wieder sein wie früher. Ich glaub, ich träum, das darf doch nicht wahr sein.
Aber, es ist wahr. Das ist ein Teil Deiner Lebensgeschichte. Passiert ist das 1991, vor 18 Jahren. Du weißt noch, was damals Deine Gedanken waren, in der ersten Nacht im Krankenhaus, als Dir klar wurde, wie schwer Du verletzt warst.
Gespräch mit Kirsten Bruhn
Danke, dass Du bereit bist, so von Dir zu erzählen, gerade auch heute auf diesem Gottesdienst.
Und im letzten Jahr hat Kirsten die Goldmedaille in Peking gewonnen. Und so folgt der Verzweiflung des Alptraums der Traum des Neuanfangs und seine Umsetzung in kleinen Schritten. Und das ist mehr als nur die Geschichte einer tapferen, jungen Frau. Für mich gibt es auch die Anknüpfung an eine Traumgeschichte aus der alten Bibel – die Geschichte von Jakobs Traum. Jakob war eigentlich keine Vorbildfigur. Eher der Typ des Dränglers, des Tricksers, ein Rechtsüberholer. Er kommt nicht richtig zum Zug. Deshalb stiehlt er sich die Zukunft von seinem Bruder, er betrügt ihn um Vatersegen und Erbe. Und dann muss er fliehen, weit von zu Hause fort. Und auf der Flucht, als es so aussieht, dass er einen bitteren Lebenspreis bezahlen muss, lässt Gott ihn träumen. Es ist der allerberühmteste Traum von der Himmelsleiter. Jakob träumt von einer Leiter, die vom Boden bis zum Himmel reicht. Oben steht Gott, und auf der Leiter steigen die Engel Gottes zwischen Himmel und Erde auf und ab. Und der Gott oben am Ende der Leiter, am Himmelstor, gibt Jakob ein traumhaftes Versprechen: Ich werde Dich behüten, auf Deinem Weg; und ich werde dich wieder heil nach Hause bringen . Und dann geht Jakob seinen Lebensweg; und der bleibt steinig und schwer. Aber Gott erfüllt sein Versprechen. Und so wird dieser Traum zum Leben.
Und so wurde vor mehr als 3000 Jahren dieses Motto geboren, das da heißt: Träum dein Leben und dann leb deine Träume. Und der Glaube an einen Gott wurde geboren, der seine Menschen so im Leben begleitet..
Ich glaube nicht an Zufälle. Als ich Kirsten Bruhn zum heutigen Gottesdienst einladen wollte, da fand ich auf Deiner Internetseite genau dieses Motto: Träume dein Leben und dann lebe deinen Traum..
Da stand der Titel dieses Gottesdienstes schon drei Monate lang fest: Ich glaub , ich träum..
Und auf einmal gab es eine Verbindung: Es gab das Motto, es gab die biblische Geschichte mit Gottes Versprechen, und es gab eine Frau, deren Lebensweg zu Jakobs Traum passt. Und so stehen die Dinge nicht mehr nebeneinander, Menschen mit ihren Schicksalen hier und Gott da, sondern es wächst ein Netzwerk. Es gibt Antworten auf Nöte, es gibt Seelen, deren Träume ins Leben kommen, es gibt einen Gott, der das tut, weil er uns mit Namen kennt und zutiefst lieb hat.
Und aus den vermeintlichen Zufällen des Lebens wird mitten in diesem Gottesdienst die Botschaft, die sagt: Dieser Gott macht die Träume deines Lebens in einer Art und Weise wahr, die dein Vorstellungsvermögen weit übertreffen kann. Und er tut es wirklich. Nicht wie beim Weihnachtsmann, wo Eltern und Portemonnaies dahinter stecken, aber auch Brimborium und frommer Betrug; wo wir Wunschzettel schreiben und sauer sind, wenn sie nicht abgearbeitet werden. Sondern Gott erfüllt Träume in der Tiefe des Lebens und manchmal auf Wegen, die wir nie gesucht oder gewagt hätten.
Ich habe mich gefragt, was sind wohl Eure Träume heute hier. Träumt Ihr von Freiheit in Sonne und Fahrtwind? Von dem kleinen Dreh und der großen Durchzugskraft? Träumt Ihr von Augen, die das Glänzende in Eurem Leben sehen und Herzen, die Euch bewundern? Träumt Ihr von der Weite des Lebens, die Ihr auf zwei Rädern erobert und in der Ihr einen sicheren Platz findet? Träumt Ihr schließlich von einem, der Euch wirklich bis ins Innerste kennt und Herz und Seele mit Wahrheit berührt, gerade wo Ihr ohne harte Schale, ohne Protektoren, ohne Show seid? Wenn Ihr so oder so ähnlich träumt, seid Ihr bei Gott jedenfalls richtig. Er gibt Euren Träumen Leben – auf seine Art. So können sich Türen öffnen, wo Ihr direkt daneben bisher versucht habt, sinnlos durch die Wand zu brechen. So wird er Euch anschauen in einer Art und Weise, die Ihr sonst allenfalls vom frisch Verliebtsein kennt. So wird traumhaft wahr werden, was in Euren Seelen auf das Leben wartet. Und zugleich, das fasziniert mich so an Gott, wird er Euch auch in Eure Grenzen weisen, wo das nötig ist, z.B. für die Freiheit anderer und für den Respekt vor ihnen.
Träume dein Leben und dann leb deine Träume. Das ist kein Werbemotto wie „alles ist möglich“. Das ist keine Aufforderung, sich auf Kosten anderer zu verwirklichen.
Träume dein Leben, und dann leb Deine Träume - da bekommen unsere Träume eine unglaubliche Bodenhaftung, einen sicheren Ort mitten zwischen Himmel und Erde, einen Ort, den wir uns nicht selbst schaffen können. Sondern es ist ein geschenkter Ort in uns, in unserem Herzen, wo wir zum einen sicher im Leben stehen und zum anderen in unseren Träumen bis zum Himmel kommen.
Kirsten, die Predigt ist nun fast zu Ende, drei Sätze noch. Aber ich will hier unterbrechen und Dir und allen anderen hier ein Symbol schenken für die Träume, die mit Gottes Hilfe Leben wahr werden können. Und dazu bitte ich Dich, komm mit mir noch einmal kurz von der Bühne herunter. Lass uns vor die Bühne gehen, noch ein bisschen näher ran an die Leute, so dass wir gut zum Himmel schauen können
Wir werden jetzt mit Hilfe eines Symbols Deine und die Träume aller hier zum Himmel schicken.
(Leise Musik setzt ein: Knocking on heaven´s door...)
Wir lassen unsere Träume aufsteigen, über diese Stadt, über den Hafen, über die Maschinen rund um den Michel und über die Köpfe der Menschen hinweg zum Himmel Gottes. Wir lassen unsere Herzensbilder in bunten Farbtupfern aufsteigen und haben Hoffnung, dass Gott entgegen nimmt, was wir träumen. Und wir hoffen, dass irgendwie wahr wird, was wir heute träumen.
Herzliche Einladung, Ihr Lieben, zum Wagnis des Träumens, das sich Gott anvertraut. Herzliche Einladung nach dem Motto, das bei Gott gilt: Träumst Du erst, dann lebst Du schon. Amen.
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